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Lebendige Erkenntnistheorie Kants oder geistige Anschauung des Lebendigen?

Auf S. 40 ff seines Buches Philosophie und Anthroposophie, Stuttgart 2011, behandelt Hartmut Traub Steiners Dissertation von 1891 und hält ihm neben mancherlei Missverständnissen und Fehleinschätzungen Kants dann auf S. 46 auch vor, dass Steiner sich bei seiner Kantkritik viel zu sehr auf Kants synthetische Urteile a priori beschränkt habe. Er habe aber nicht gesehen, dass darin gerade nicht der Kern der Kantschen Philosophie liege. Traub unter Hinweis auf Kant: "In der synthetischen Einheit der Apperzeption, im «Ich denke», und nicht, wie Steiner unterstellt, in der Lehre von den synthetischen Urteilen a priori, liegt nach Kant der Urprung unbedingter Gewissheit. Den synthetischen Urteilen a priori [...] kommt als Kernstück der Transzendentalphilosophie eine abgeleitete aber keine unbedingte Gewissheit zu." Hartmut Traub, Philosophie und Anthroposophie, Stuttgart 2011, S. 47 Weiter fährt Traub mit Blick auf Steiners umfangreiches Werk Die Rätsel der Philosophie, S. 170 f 2 fort: "In der synthetischen Einheit der Apperzeption, im «Ich denke», und nicht, wie Steiner unterstellt, in der Lehre von den synthetischen Urteilen a priori, liegt nach Kant der Ursprung unbedingter (theoretischer) Gewissheit. Den synthetischen Urteilen a priori ... kommt als Kernstück der Transzententalphilosophie eine abgeleitete aber keine unbedingte Gewissheit zu. [] Nimmt man diese Sachverhalte einmal zur Kenntnis und fügt hinzu, dass Kant das «Ich denke» ebenso wie die (Verstandes) Begriffe und Urteile, ja selbst die sinnlichen Wahrnehmungen als eine lebendige Handlungstheorie menschlicher Erkenntnis und Erfahrung konzipiert (Begriffe sind Handlungen des Verstandes und Wahrnehmungen vollziehen synthetische Operationen), so ist es unerklärlich, dass Steiner bis in seine Spätschriften hinein behauptet hat und davon überzeugt war, dass Kants Erkenntnistheorie der Charakter des Lebendigen abgeht; und dass es vielmehr Goethe gewesen sei, der dem Ich «die lebendige Idee verschafft» und dem Selbstbewusstsein des Ich damit zu «lebenvoller Wirklichkeit» verholfen habe." 3