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Vorwort
"Wir mögen die Sache anfassen wie wir wollen: immer klarer muß es werden, daß die Frage nach dem Wesen
des menschlichen Handelns die andere voraussetzt nach dem Ursprunge des Denkens." Rudolf Steiner, Die Phi-
losophie der Freiheit, 1894, Kap. II., S. 26 (In der Zweitauflage von 1918 GA-4, Dornach 1958, Kap. I. S. 15 /
Ausgabe 1995, S.26 )
Allen diesen Standpunkten gegenüber muß geltend gemacht werden, daß uns der Grund- und Urgegensatz zu-
erst in unserem eigenen Bewußtsein entgegentritt. Wir sind es selbst, die wir uns von dem Mutterboden der Natur
loslösen, und uns als «Ich» der «Welt» gegenüberstellen. Klassisch spricht das Goethe in seinem Aufsatz «Die
Natur» aus, wenn auch seine Art zunächst als ganz unwissenschaftlich gelten mag: «Wir leben mitten in ihr (der
Natur) und sind ihr fremde. Sie spricht unaufhörlich mit uns und verrät uns ihr Geheimnis nicht. » Aber auch die
Kehrseite kennt Goethe: «Die Menschen sind alle in ihr und sie in allen.» [] So wahr es ist, daß wir uns der Natur
entfremdet haben, so wahr ist es, daß wir fühlen: wir sind in ihr und gehören zu ihr. Es kann nur ihr eige nes Wir-
ken sein, das auch in uns lebt. [] Wir müssen den Weg zu ihr zurück wieder finden. Eine einfache Überlegung
kann uns diesen Weg weisen. Wir haben uns zwar losgerissen von der Natur; aber wir müssen doch etwas mit
herübergenommen haben in unser eigenes Wesen. Dieses Naturwesen in uns müssen wir aufsuchen, dann werden
wir den Zusammenhang auch wieder finden. Das versäumt der Dualismus. Er hält das menschliche Innere für ein
der Natur ganz fremdes Geistwesen und sucht dieses an die Natur anzukoppeln. Kein Wunder, daß er das Binde -
glied nicht finden kann. Wir können die Natur außer uns nur finden, wenn wir sie in uns erst kennen. Das ihr
Gleiche in unserem eigenen Innern wird uns der Führer sein. Damit ist uns unsere Bahn vorgezeichnet. Wir wol-
len keine Spekulationen anstellen über die Wechselwirkung von Natur und Geist. Wir wollen aber hinunterstei-
gen in die Tiefen unseres eigenen Wesens, um da jene Elemente zu finden, die wir herübergerettet haben bei un-
serer Flucht aus der Natur. [] Die Erforschung unseres Wesens muß uns die Lösung des Rätsels bringen. Wir
müssen an einen Punkt kommen, wo wir uns sagen können: Hier sind wir nicht mehr bloß «Ich», hier liegt etwas,
was mehr als «Ich» ist. “ Rudolf Steiner, Die Philosophie der Freiheit, 2, 1918, GA-4, Dornach 1958, Kap. II,S.20 f. (In der Erstauflage von 1894, Kap. III, S. 28 f.)
"Will man nämlich die beste Grundlage schaffen zu anthropologisch-psychologischen Ergebnissen, die bis an die «Erkenntnis-Grenzorte» gehen, an denen sich Anthropologie mit Anthroposophie treffen muß, so kann dieses durch ein psychologisches Laboratorium geschehen, wie ein solches Brentano in Gedanken vorgeschwebt hat. Um die Tatsachen des «schauenden Bewußtseins» herbeizuführen, brauchten in einem solchen Laboratorium keine Experimentalmethoden gesucht zu werden; aber durch diejenigen Experimentalmethoden, die gesucht werden, würde sich offenbaren, wie die menschliche Wesenheit zu diesem Schauen veranlagt ist, und wie von dem gewöhnlichen das schauende Bewußtsein gefordert wird. Jeder, der auf dem anthroposophischen Gesichtspunkt steht, sehnt sich ebenso wie Brentano, in einem echten psychologischen Laboratorium arbeiten zu können, was durch die heute noch gegen die Anthroposophie herrschenden Vorurteile unmöglich ist." (Rudolf Steiner, Von Seelenrätseln, GA-21, Dornach 1983, S. 170 f.)